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10. saul - 2007-05-25 10:28:38
Gebote und Verbote linker Glaubensgemeinschaften

Weshalb soll ich mich an die Regeln einer Welt halten, die mir schon dreimal auseinandergebrochen ist? Jede Gruppe, Sekte oder Partei bildet ihre Regeln, Gesetze und Verbote, an die sich alle zu halten haben die dazugehören wollen. Diese Regeln, irgendwann entstanden versteinern irgendwann zu unhinterfragten Dogmen, selbst wenn sie mal sinnvoll waren. Dann dienen sie nur noch der Schaffung von Gruppenidentität, zur Unterscheidung wer dazugehören darf und wer nicht. Was ist wenn sich der Zusammenhang in der diese Regeln mal galten aufgelöst hat? Dann verselbstständigen sich diese Regeln und führen ein gespenstisches Eigenleben. Als um 80 die Welt der ML Sekten auseinanderbrach, verschwand nicht nur deren Papier in der Tonne, auch ihre Sprachreglungen, Ideologien und Feindbilder. Einiges davon spukte noch einige Zeit weiter rum, aber das legte sich beizeiten. Proletarisch, kleinbürgerlich, rewisionistisch und was noch alles, irgendwann wurde dieses Zeug nicht mal mehr verstanden. Niemand nahm solche Vorstellungen mehr ernst und in Auseinandersetzungen produzierten solche Wertschätzungen irgendwann nur noch Spott und Hohn. Mit dem Verschwinden des Lagerdenkens wurde es auch möglich, sich unbefangen mit mit den dunklen Flecken der Geschichte auseinanderzusetzen. Die Ikonen der Ideologie verloren ihre Macht und wurden zu Objekten des Spotts. Das Kopfbanner das seinerzeit viele Parteiblätter zierte bedachte jemand als, jenes echte Signum der tendenziellen Progression des Haarausfalls.

Als mit den 80igern die Welt der Autonomen und Antiimps museal wurde, verschwand auch ihr zusammengerotztes Graupapier und die unlesbaren Bleiwüsten, ebenso ihre Feindbilder und ihre Paranoia oder auch ihre zur Schau getragene Armut. Was sich am Erscheinungsbild späterer Demos gut feststellen lässt. So etwa bei Studentendemos, bei denen die Beteiligten nicht mehr in verrotteten Outfit rumlaufen und aussehen, als hätten sie zwischen der Schlacht vom Winterfeldplatz bis zur Startbahn dringesteckt. Oder das Erscheinungsbild der Hanfparade lässt sich anführen, wo die Beteiligten nicht grad so erscheinen als würden sie in den Krieg ziehen.

Wird heut der Dresscode kritisiert der sich vielerorts breitmacht und von dem ein ganzes Gewerbe lebt, so wird dabei schnell vergessen, das unter den Linken diese Dresscode ebenfalls sein Unwesen trieb, lange bevor es diesen Begriff gab. Pallifeudel, Lederjacke oder die unsäglichen lila Latzhosen sind heute eher was für Cartoonzeichner wenn sie ein vorher/nachher Bild zeichnen wollen. Längst sind auch diese Markenzeichen in der Mottenkiste verschwunden.

Ein bezeichnendes Beispiel lässt sich noch anführen. Da latschen Writer zur SOKO im Hauptbahnhof um sich Graffitibilder anzusehen, das in einer Unbekümmertheit die bei den Autonomen undenkbar gewesen wäre. Ebenso verschwand deren Antiimpweltbild aus den Köpfen, das die Welt in Gut und Böse einteilte und "Befreiungsbewegungen" idealisierte. Zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich ziehen, dieser Satz löst allenfalls noch Naserümpfen aus. Hier wir, da ihr, dazwischen gibt es nichts. So einfach war die Welt noch nie. Nur führen diese Vorstellungen, Gebote und Verbote noch lange ein Eigenleben auch wenn deren Zusammenhang längst nicht mehr besteht in dem sie mal eine wie auch immer geartete Bedeutung hatten. Eines dieser Verbote lautet, du sollst nicht auf Demos fotografieren. Anfangs mit Spitzelangst bzw Berufsverbote begründet, hat sich dieses Verbot derart verselbstständigt, das es nicht mehr begründet werden muß. Macht man eben nicht. Wer es doch tat, stellte sich außerhalb des unsichtbaren Netzes ungeschriebener Regeln und Verbote und bekam es gelegentlich mit den selbsternannten Wächtern linker Sitten zu tun und den dummen Spruch zu hören, für wen man fotografieren würde. Damit hat ich auf der Hanfparade in Berlin weniger Probleme. Diese Sittenwächter waren schon lange nicht mehr dabei, hier ohnehin nicht und hatten längst ihre "Macht" verloren. Nur noch in manchen Hirnen sitzen diese Verbote und ihre Vollzugsorgane. Gut, niemand hat mich beauftragt abzulichten, aber auch diese Tugendwächter hat niemand beauftragt es mir zu verbieten. Soll man sich drum prügeln? Noch heute führt dieses Bilderdogma ein Eigenleben wie sich das z.B. auf Indymedia beobachten lässt. Bemerkenswerterweise auf einer Seite, die von Bildberichten lebt und davon, das heute mit Diggicam oder sogar Handycam Möglichkeiten bestehen, von denen man in den frühen 80igern nicht mal träumen konnte. In der Writerwelt bildeten sich ebenfalls Regeln und teils mit Grund. Eben die Insiderregeln in halblegalen Welten, in denen niemand etwas einklagen kann, etwa zur Polizei gehen und melden, der hat in mein Piece reingecrosst. Das Bildverbot gehörte jedenfalls nicht dazu und so war es kein Problem, Yardbilder zu machen bei denen wegen der langen Belichtungszeit eh niemand genau zu erkennen ist. Die linken Sittenwächter gehörten eh nicht zu dieser Welt und hatten da nie was zu melden. Und da ich das Spiel bereits kannte, brachte es den Vorteil das ich die Regeln dieser Welt auch übertreten konnte. Unter anderem produzierte ich Streetart lang bevor dieser Begriff aufkam. Linke Regeln wurden hier ohnehin zuhauf gebrochen, ohne das es die Beteiligten merkten. Sie kamen nicht aus der linken Scene und wußten nicht mal was von deren Regeln. Frauenbilder zu produzieren zählte einfach zur Bandbreite der Character. Bei mir sah das anders aus, da war es ein bewußter Regelbruch.

Damit kommen wir zu einen weitern Verbot. Erotik ist frauenfeindlich. Ist eben so, muß nicht weiter begründet werden. Das aus einer Bewegung, die in grauer Vorzeit mal gegen Bildverbote und Zensur kämpfte und teils auch mit Absicht solche Bilder druckten. Die Ideologie des Feminismus in den 70iger und 80igern brachte die Bildzensur in die linken Medien zurück, nur auch diese Welt ist mittlerweile Geschichte. Deren Kultbücher findet man heute im Altpapier und deren Verbote spuken nur noch in wenigen Medien rum die niemand mehr beachtet. Na neuerdings im Internet, aber da kommt vieles aus der Vergangenheit hoch und da sieht jede Seite erstmal größer aus als sie ist. Etwa auf Indymedia, wo man diesen Irrsinn noch live geboten bekommt und sehen kann, wie Neudazugekommene die alten Verbote übernehmen, weil sie dazugehören wollen. Nur zu was gehören? Welchen Grund gibt es, sich an das Verbot Akt darzustellen zu halten, wenn es diese Welt schon lange nicht mehr gibt und die Vertreter längst ihre Macht verloren haben die sie möglicherweise mal hatten, ihre Vorurteile anderen aufzudrücken. Ein weiterer Punkt ist die linke Sprachreglung. Das BinnenI das mal die TAZ unlesbar machte, ist da schon lange verschwunden bzw. Objekt der Satire geworden. Nur die Kleinpresse hielt sich noch Jahre danach an diese Sprachverunstaltung. So schreibt man (Frau/ Mensch) eben wenn man dazugehören will. Gelegentlich brach jemand in der TAZ die linken Regeln und dann tobten sich die Sittenwächter mit Leserbrief und Abokündigung aus, das war aber meist nur ein Sturm im Wasserglas. Das ist nichts Neues, wer früher dazugehören wollte, mußte die marxistische Terminologie draufhaben. Sonst wurd man nicht ernstgenommen. Aber wer bestimmt darüber? Schon immer waren es Minderheiten die dem Rest ihre Vorurteile aufdrückten und das nur deswegen konnten weil der Rest daran glaubte, diese Kleingruppen hätten ihnen was zu sagen, auch wenn sie niemand gewählt hat. Ihre einzige Macht basiert auf der Ausschlußdrohung. Kann man noch in Kreuzberg bei bestimmten Auseinandersetzungen beobachten. Wer nicht zustimmt, wird mit Ausschluß aus den Zusammenhängen bestraft. Nur was für Zusammenhänge? Was wenn diese Zusammenhänge nur noch Fiktion sind? Nicht mal der Grund dazugehören zu dürfen, wenn es nichts mehr gibt dem man sich zugehörig fühlen könnte. Zudem, eine Belohnung fürs Wohlverhalten hat diese Welt ohnehin nicht zu bieten, denn das Paradies sollt doch mal auf die Erde geholt werden.

Dabei ist es ganz einfach dieser Welt zu entkommen. Dazu muß man nur den Kopf freiräumen. Hör auf dich um die paar Gestörten zu kümmern, schon existieren deren Regeln für dich nicht mehr. Hör auf deren Graupapier zu lesen und schon haben sie ihre fiktive Macht verloren. Beachte die übriggeblieben Sektierer mit der gebotenen Mißachtung, die aus der eigenen Erfahrung kommt und reduzier sie auf das was sie sind, Gespenster aus der Vergangenheit. Zeig den heutigen Ideologen den Mittelfinger und beobachte wie bei ihnen der Hass hochkommt wenn sie auf Widerspruch stoßen. Das ist ein Stück Freiheit das man sich eben nehmen muß, denn geschenkt bekommt man diese nicht. Muß man gegen Spinner kämpfen? Erfahrungsgemäß hat sich vieles mit der Zeit von selbst erledigt. Ist es nicht irgendwo Zeitverschwendung etwa im Netz sich mit Spinnern zu prügeln die auch nicht mehr zu melden haben als man selbst und nichts weiter vertreten als ihren Irrsinn? Der Unterschied ist eben, im Internet kann man reintippen und widersprechen. Jeder kann es, im Gegensatz zur Printwelt die mehr Arbeit erfordert und nicht allen zur Verfügung steht. So offen waren auch linke Medien nicht wie sie angeblich sein wollten, auch da bestand stets die Frage, wer verfügt über das Medium. Warum trotzdem Widerspruch? Wenn niemand widerspricht, dann glaubt jeder, das ist die allgemeingültige Ansicht und daran hat sich jeder zu halten. Genau so entstehen die Regeln und Verbote. Derzeit lässt sich das auf Indymedia gut beobachten wie es funktioniert. Nach dem allgemeinen Geschrei, von wegen Gesichter unkenntlich machen, halten sich die User brav daran und maskieren Bilder notfalls großflächig bis hin zur Unbrauchbarkeit des ganzen Photos. Dann kann man auf eine Veröffentlichung auch verzichten, dabei handelt es sich um uninteressante Bilder irgendwelcher Demos bei denen nichts passiert ist. Aber nur keine Gesichter zeigen. Wer sich nicht daran hält bekommt Prügel. Halt dich an die Spielregeln, sonst darfst du nicht mitspielen. Hier sieht man wieder mal live, was das für ne Kinderkacke ist.

PS; Auf Indymedia ließ sich gut feststellen wie der Unterschied zur linken Printwelt aussieht. Da kann man schlecht widersprechen, im Internet schon eher. Als einige Ideologen den Begriff Volk abschaffen wollten, ließ sich auch in satirischer Form darstellen, das dieser Begriff aus der linken Geschichte nicht wegzudenken ist, siehe, "Völker hört die Signale." Ebenso ließen sich hier die linken Sprachreglungen brechen und schon sahen die Benutzer, es gibt auch andere Ansichten zur linken Sprachverunstaltung und zum BinnenI. Zumindest hoffen darf man, das es etwas bewirkt.

PS 2; Das Internet beschleunigt viele Entwicklungen. Früher, als solche Auseinandersetzungen über die Printmedien liefen, dauerte alles länger, auch Dummheiten waren dauerhafter. Heute kann man sie schnell auseinanderpflücken und deren Vertreter verschwinden recht fix und beleidigt auf ihren eigenen Seiten, wo sie niemand stört. Auf Indy etwa ließ sich beobachten, das die nervenden Feministen diese Seite mittlerweile zu meiden scheinen. Woran zu sehen ist, wie dünn die Basis ihres Weltbilds scheint. Kaum stoßen sie auf ernsthaften Widerspruch, schon ziehen sie beleidigt ab. In der Printwelt hatte man diese Möglichkeiten nicht, daher hielten sich da die Vorurteile um einiges länger.

9. saul - 2007-05-25 10:27:27
Living in the past

Leb ich in der Vergangenheit? Diese Frage wurd mir schon mehrmals gestellt. Ich könnt sie so beantworten, ich habe eine Vergangenheit, ob ich mich von dieser bestimmen lasse, steht auf einen anderen Blatt. Einigen Schreibern hier kann ich dagegen bescheinigen, sie haben keine Vergangenheit sonst wären sie woanders, nur nicht beim Rebell oder MLPD.
Hier müssen wir unterscheiden. Die traditionelle Linke lebt tatsächlich in der Vergangenheit. Nicht in irgendeiner, sondern in der angelesenen Propaganda und pfeift sich regelmäßig die Legenden aus der Geschichte der Arbeiterbewegung rein. Das war sicher mal nicht verkehrt, dann als in den 50igern diese Geschichte verdrängt und mit dem KPD Verbot entsorgt wurde. In den 60zigern war es schon eine Form von Opposition, sich diese Vorgänge wieder zu gegenwärtigen. Nur bewegte man sich auf verminten Gebiet und es fiel nicht leicht, Fakten von Legenden zu trennen. Darauf wurde mit der Gründung der ML Parteien endgültig verzichtet, die Fiktion wurde zum Fakt, Dimitroffs Faschismusanalyse zum Dogma und man pfiff sich jedes noch so unwichtige Zeug aus den heroischen Tagen der KPD rein.
All das hatte einen Schönheitsfehler, es blieb eine angelesene Geschichte. Keiner dieser neuen Linken war daran beteiligt, es konnte also gar nicht die eigene Geschichte sein. Die konnte man nur haben, wenn man selbst dran beteiligt ist und nach 68 hatten sie eigene historische Erfahrung. Die passte aber nicht in die Geschichte der Arbeiterbewegung und wurde daher schnell verdrängt. Wie eignet man sich am besten die Geschichte der Weimarer KPD an? Na man spielt sie nach und zwar mit allem Zubehör. Nur war das kein Spiel, die Demos auf der Gass waren kein historischer Themenpark (so würd man s heut nennen), es war den Beteiligten bierernst. Wer das hinterher mit halbwegs klaren Verstand ohne bleibende Schäden überstanden hatte, der hatte Geschichte live miterlebt und die Erfahrung gemacht, wie man hier nichts erreicht.
Nun könnt man meinen, na bitte, diese Studentenparteien. Mußt ja so kommen, diese kleinbürgerlichen Subjekte und wurzellosen Elemente. Wir dagegen, die proletarische Einheizpartei (sorry, Humor ist....) mit unseren Führern proletarischer Herkunft.......! Da werden genauso Legenden gesponnen und man redet sich die Vergangenheit schön. Wer hat mehr Arbeiter? Als wenn es darauf ankommen würde, zumal in einen Land, in dem gerade der Arbeiter von den Kommies die Nase voll hatte. Verbreitete die DKP nicht die gleichen Legenden über die heroische Vergangenheit? Verschwieg aber warum es scheiterte und verschwieg vor allem, wie sich eine im Vergleich zu heute riesige Linke von den Nazis so locker einmachen ließ. Is schon so n Kreuz mit der Geschichte. Sicher ist nur die Zukunft, die Geschichte wird immer wieder neu geschrieben.
Was die 70iger angeht, das ist Geschichte und viele haben sie mitgemacht. In den 80igern ging es weiter und etliche die noch nicht genug hatten beteiligten sich an einigen Scherbengerichten und irgendwo wurd s ihre Geschichte. Sie waren dran irgendwo beteiligt.
Werden das die Rebellen und Zeitungsverticker von heut auch mal behaupten können? Fürchte nein und das aus einfachen Grund. In solchen Parteien bist du nicht an der Geschichte beteiligt, du bist Opfer der Geschichte. Die Partei schreibt Geschichte und du bist nur ausführendes Organ, halt ein Rädchen im Getriebe und viele die da raus sind fühlten sich hinterher auch eher als Opfer der Geschichte und weniger als Menschen die in Eigenentscheidung gehandelt haben. Wer an sozialen Bewegungen beteiligt war, ohne sich in ner Sekte zu organisieren, wußte, das dies von der eigenverantwortlichen Entscheidung des Einzelnen lebt, ohne Befehl von oben zu handeln. Hier muß man sich nicht als Opfer der Geschichte fühlen, ein Stückweit warst dran beteiligt. Wer hier dabei war, der muß sich Geschichte nicht anlesen.
Saul 05

8. saul - 2007-05-25 10:26:45
Linke Wahnwelten

Wenn dir die eine Welt nicht passt, such dir ne andere. Oder schaff dir ne eigene Welt. Das hat ich ca 89 bereits getan und hier ging es um Farbe. Da findest in ner ehemals linken Zeitung die passende Vorlage als Werbeanzeige und daraus schneidest ein Papierteil. Na an die Wand damit, nichts weiter als ne graphisch stilisierte Frau. Das in Bockenheim an die Wand gesprüht und kurz drauf wurd s mit n Verbotszeichen übersprüht. Da hat der selbsternannte Kiezwart zugeschlagen, das ist offenbar sexistisch und sowas hat im linken Freiraum Bockenheim nichts zu suchen. Das war einer der letzten Versuche der Altlinken ihr Revier an der Wand zu verteidigen. Mittlerweile hatten sich die Writer breitgemacht und diesen Gestörten hatte der altgediente Politparolenmaler nichts mehr entgegenzusetzen. Jedenfalls bin ich hier noch einmal mit der alten Welt der Linken zusammengestoßen auch wenn ich mich von denen schon lang verabschiedet habe. Diese Zensurform an der Wand blieb ein Einzelfall, künftig machten wir an der Wand was wir wollten, das war nun unser Revier und die Linken rafften nicht mal was das sollte.
Der nächste Zusammenstoß erfolgte erst Jahre später, aber das war mein Problem. Was hatt ich auch im Internet verloren? Zwar noch keine Ahnung von der Technik, also machst deine ersten Gehversuche in nen Guestbook und mißbrauchst es als Forum. Ein paar satirische Bemerkungen und schon wirst zur Zielscheibe von Linken mit geschlossenen Weltbild, die es offenbar nicht aushalten, wenn jemand ihren angelesenen Schrott nicht bedingungslos zustimmt. Das wiederholt sich auf einen weiteren Forum das auch nicht mehr online ist, womit ich freilich nichts zu tun habe. Seitdem bin ich ein Sexist und Mackerschwein und was noch alles. Nur Bleiwüsten zu verfassen wird langweilig und so landest bei Indymedia. Hier kannst auch Bildchen veröffentlichen und das macht mehr Laune. Geht es da freilich um das Thema Feminismus, dann sieht es da nicht anders aus, man zieht schnell den Hass von Leuten auf sich, die gegen eine übermächtige Welt kämpfen, die sich allerdings recht unbeeindruckt zeigt und umso mehr kommt der Hass gegen Abweichler auf der "eigenen" Seite hoch.
Wir können über alles reden, nicht aber über linke Gewissheiten und ewige Wahrheiten. Die hat niemand in Frage zu stellen der zu uns gehören will. Aber wer ist "uns" und wozu will ich dazugehören? Die Möglichkeit auf Indymedia unveröffentlichtes Bildmaterial zu posten lass ich mir nicht verbieten und das hielt mich wohl da, sonst hätt ich früher oder später diese Gläubigen sich selbst überlassen, zumal ich oft genug zensiert wurde. In einen Posting so oft, das der Inhalt nicht mehr nachvollziehbar ist. Das Internet ist groß genug und die Mehrheit der Seiten wirst ohnehin nie besuchen können. Nachdem ich es dann zur eigenen Seite gebracht hab, hat ich ohnehin einen Bereich, wo mich niemand stört, dafür aber nach Anklick als Drecksexist bezeichnet wurde. Der Bezeichnung stimme ich sogar zu.
Worin besteht der Unterschied? Früher in der guten alten Offlinezeit fand die "Kommunikation" über Flugis, Kleinpresse und der TAZ statt. Wenn man da von Kommunikation reden kann, eher ne Einwegkommunikation. Ich schreibe, du darfst lesen und die Klappe halten. Auch das Medium Kleinpresse war ja nie so offen, das es jeden zur Verfügung stand. Ich tat also das, was die Mehrheit auch tat. Klappe halten und das linke Graupapier irgendwann sich selbst überlassen, zumal ich irgendwann nach der ID Zeit nicht mal Archivmäßig damit zu tun hatte. Immer der gleiche Schrott, immer das ewige Gejammer, ich konnt s nicht mehr sehen. War hier nicht der einzige Verrückte unter lauter Normalen. Die Vielfalt linker Presse war mir aus ID Archivzeiten noch gut vertraut. Nur stieg weder ihre Auflage, noch konnten sie langfristig überleben. Ihre eigene Leserschaft, selbst da wo sie noch aus Solidarität ohne großes Interesse das Zeug gekauft hatten, ließ es irgendwann sein und die Blätter verschwanden aus der Druckwelt. In der Druckwelt kann man schlecht widersprechen also steht da der Mist und man meint, es sei allgemeinverbindlich. So entstehen eben Dogmen, Vorurteile und geschlossenen Wahnwelten. Einige lassen sich hier anführen, die Liste ist sicher nicht vollständig.
Die Welt könnte so schön sein und es gäbe keine Probleme, gäbe es nicht Kapitalismus, Imperialismus, Amis, Zionisten, Sexismus, Patriarchat und weitere Plagegeister die dem Durchschnittslinken den Tag versauen.
Frauen sind die besseren Menschen und Männer sind grundsätzlich schlecht, weil Sexisten und potentielle Vergewaltiger, jedenfalls können wir ihnen nicht trauen.
Wenn in der Dritten Welt die "Völker" gegen Imperialismus und Zionismus kämpfen ist das grundsätzlich gut. Wer genauer hinschaut ist ein Verräter und Kameradenschwein.
Migranten sind grundsätzlich gut und über jeden Zweifel erhaben, wer das etwa wegen deren Umgang mit den eigenen Töchtern thematisiert ist ein Rassist.
Je dunkler die Hautfarbe, desto höher die Wertschätzung, afrikanische Diktatoren und Kriege mit Kindersoldaten stören nur das Bild vom edlen Wilden.
Als linker Mann, zudem weiß, in Europa lebend und "reich" was heißt, das man nicht unter der Brücke wohnt, hat man sich für alles Elend der Welt verantwortlich zu fühlen und dafür mit Politarbeit Buße zu leisten.
Als linker Mann hat man sich für 10 000 Jahre Frauenunterdrückung schuldig zu fühlen und diese Last bereitwillig auf seinen Schultern zu laden.
Feminismus ist gut und über alle Zweifel erhaben, wer das anders sieht, ist ein Drecksexist.
Sprache ist sexistisch, als Linker hat man das BinnenI zu beachten, Mann/Frau oder Mensch zu schreiben und die Sprache zu verunstalten.
In linken Flugis und Blättchen steht stets die Wahrheit und der Inhalt ist über jeden Zweifel erhaben. Er muß nur noch an die doofe Masse verteilt werden.
Die Liste ist keineswegs vollständig dafür artet sie schon jetzt in blanker Satire aus.
Sex steht unter Generalverdacht, jedenfalls wenn er anatomischen Unterschieden folgt.
Frauenbilder sind grundsätzlich sexistisch und machen die Frau zur verfügbaren Ware, daher pfui.
Die Arbeiterklasse ist grundsätzlich gut, auch wenn sie auf unsere Patentlösungen scheißt und stattdessen mehr Geld oder wenigstens einen sicheren Arbeitsplatz will.
Minderheiten sind immer zu unterstützen, schon das sie eine Minderheit sind macht sie über alle Kritik erhaben.
Linke Freiräume sind grundsätzlich gut, das die soziale Kontrolle da oft schlimmer als im Kloster ist, sollte nicht weiter thematisiert werden.
Linke Zusammenhänge sind unsere Kuschelecke und unser Rückzugsgebiet gegen die Widrigkeiten der bösen Welt, daher unser stärktes Druckmittel um alle rauszuschmeißen die sich danebenbenehmen.
Auf Demos wird nicht fotografiert, wer das macht ist n Spitzel. Sollte es doch einmal Demobilder geben, dann sind grundsätzlich alle Gesichter unkenntlich zu machen, wer nach Sinn und Grund fragt hat bei uns nichts zu suchen.
So könnt es problemlos weitergehen, schaut man sich in diesen Wahnwelten um, dann fragt man sich, was tun wenn die Gestörten wirklich die Macht hätten? Flüchten?
Das Internet macht es möglich, man kann sich zu Wort melden und dem gedruckten Irrsinn widersprechen. Die interaktive Beteiligung ist das Neue an diesen Medium und so muß man nicht jeden Unsinn einfach schlucken. Es geht nicht darum, ob man von vielen zur Kenntnis genommen wird, es reicht, das man sich erstmal einmischt. Wenn das genügend User tun, dann können sie extreme und durchgeknallte Ansichten sehr schnell der Lächerlichkeit preisgeben. Und dann kommt der Hass hoch, dann erlebst schnell wie die Nerven blank liegen und wirst zur Zielscheibe. Dann wird nicht mehr argumentiert, dann zeigt sich, wie wenig Argumente sie haben und es bleiben nur noch unsachliche Wertschätzungen. Klar verlierst dann selbst die Geduld und auf dieser Ebene kann ichs auch, sogar besser. Dankenswerterweise findst dann die eigenen sprachlichen Glanzleistungen im www als Zitat wieder. Das lief ja besser als erwartet, soviel Aufmerksamkeit hast gar nicht erwartet. Das muß man eben wegstecken können. Es bestätigt nur, das man nicht so danebenliegen kann. Was man hier erlebt, diese aus Regalmetern von Bleiwüsten, frei von jeder Realität zusammengebauten Wahnwelten sind so instabil, das sie mit Hass uns Wut gegen jede noch so kleine Abweichung verteidigt werden müssen, sonst droht das ganze Kartenhaus zusammenzukrachen.
Bleibt noch die Frage, warum tust dir das an? Lass diese Irren doch einfach im eigenen Saft schmorren. Ist s nur diese Scheißvergangenheit die dich nicht loslässt? Mal zuviel reingesteckt um sich einfach sang und klanglos zu verpissen? Wer dabei war darf sich zu Wort melden, sonst glaubt dieser überhebliche Haufen immer noch, sie haben die Wahrheit für sich gepachtet.
Saul 05

7. saul - 2007-05-25 10:25:42
Kommunist und Messie

Kleine Satire.
Mußte man in finsteren Offlinezeiten noch die letzte verbliebene linke Buchhandlung aufsuchen, um da solch merkwürdiger Vereinsblättchen wie der Funke oder den roten Maulwurf ansichtig zu werden, heut kann man das vom Schreibtisch aus erledigen. Kleine miese Offsetblättchen von denen man sich fragte, wer liest sowas, wer produziert sowas und was denken die sich dabei?
Da haben wir es heute leichter, kann doch auch der letzte übriggebliebene Aufrechte eine Parteizeitung online ins Netz stellen um damit der linken Gemeinde die politische Grundversorgung zu sichern.
Was hat das mit Messies zu tun? Messies kommt aus dem englischen Sprachbereich und da von Mess, was sich mit Unordnung übersetzen lässt. Als Messies bezeichnet man ein Krankheitsbild von Leuten, die nichts wegwerfen können und ihre Wohnung zumüllen. Gibt es auch linke Messies? Vermutlich ja, schaut man sich im www so um, man fragt sich woher diese genauen Kenntnisse stammen mit denen manche so aufwarten. Aus ihrer jahrelangen und aufopferungsvollen Parteiarbeit muß sich einiges an Papier angesammelt haben. Bei ihnen in der Bude biegen sich offenbar die Regale unter der Last des gedruckten Wortes. Natürlich dürfen die Blauen Bände nicht fehlen, ebensowenig alle wichtigen Veröffenlichungen aus der aktiven Parteizeit. Die Masse linker Literatur unterzieht die Regale einen Härtetest wie er nie unter Laborbedingungen stattfinden würde. Es stapeln sich die Parteizirkulare und Streitschriften und gekrönt wird der Stapel vom Parteiprogramm der längst dreimalgespaltenen, aufgelösten und wiedergegründeten Partei für Arbeiterklasse und Volk. Es stapeln sich die Zeitungsausschnitte aus der bürgerlichen Presse, dazwischen die Flugblätter und die Feindpresse der Konkurrenzparteien, ebenfalls gespalten, verschwunden und im Internet wiederauferstanden. Nichts wird weggeworfen, alles könnt ja noch wichtig werden. Im staubigen Graupapier lagern wichtige Sätze und Texte die nur darauf warten der Menschheit verkündet zu werden. Hier lagert das ganze argumentative Waffenarsenal für den Kampf um die Luftherrschaft im Forum. Alles was der Kommunist des Internetzeitalters so braucht, um im harten gnadenlosen Kampf mit den linken Diversanten bestehen zu können. Der linke Messie benötigt kein ansprechendes Wohnumfeld, für die Lagerhaltung der unverzichtbaren Parteidokumente müssen eben Opfer gebracht werden. Es genügt, wenn noch Platz für einen Schreibtisch mit PC, Stuhl und Bett übrig bleibt. Unterm Bett ist ja auch noch Platz für Hektographiertes, das irgendwann mal zu wichtigen Beweisstücken werden kann um sie den letzten verbliebenen Gralshütern des heute noch verhassten Spaltervereins um die Ohren zu hauen. Hier lagert auch viel Hand und Maschinengeschriebenes, nie veröffentlicht aber wer weiß wozu es mal gut ist. Sollte an der Wand noch freier Platz übrig sein, dann hängt hier natürlich ein Parteiplakat das zu einen längst vergessenen ersten Mai aufruft.
Sind das die Orte in denen die nette Webseiten entstehen in der die letzten Aufrechten der Netzwelt verkünden, es gibt uns noch? Wir geben nicht auf, wir warten geduldig darauf, das sich die Massen endlich erheben um ihnen dann mit einer Partei, einen Parteiprogramm und einer richtigen Linie gegenüberzutreten und ihnen die Richtung zu weisen.
Wenn sich auf einen Büchertisch an der Uni mal wieder altes Politmaterial findet oder auf einen Stapel an der Altpapiertonne landet, weil unverkäuflich, dann fragt man sich, ob wieder mal einer von denen weggestorben ist.
Saul 05

6. saul - 2007-05-25 10:24:31
Virtuelle Gemeinschaften

Die gibt es nicht erst seit dem Internet, in vielen Bereichen lassen sie sich feststellen, nur der Name ist neu. Gemeint sind damit Gemeinschaften, die irgendwas verbindet, ohne das sie sich kennen oder direkt miteinander was zu tun hätten. Die Leser einer Zeitung können solch eine Gemeinschaft bilden und diese in der Leserbriefseite ausdrücken. Sie verbindet nur das Medium, selbst können sie verstreut leben und keinen persönlichen Bezug zueinander haben, sich dafür aber intensiv an den Inhalten des Mediums abarbeiten und so eine Pseudogemeinschaft bilden. Im Chat kann das genauso laufen, nur der Chat oder auch das Forum verbindet sie und schafft eine Pseudogemeinschaft. Das es oft nicht mehr als das ist, zeigt sich dann, wenn das Medium abgeschaltet wird. Dann verschwindet diese virtuelle Gemeinschaft und die nun heimatlosen Benutzer müssen sich ein neues Medium suchen.
In der Politik läuft das oft genauso. Wer sich einer Bewegung oder Szene zugehörig fühlt, ist oft genug Mitglied eines Phantoms. Als 80 haufenweise Häuser besetzt wurden, sprach man von einer Hausbesetzerbewegung. Die Frage ist aber, wohnt man selbst in so einen, dann hat man sich erstmal mit den eigenen Problemen zu befassen, die sowas mit sich bringt. Falls nicht, dann kann man sich zwar beteiligen, wenn an Demos was läuft aber weiter hat man nicht viel damit zu tun. Auch die Zusammenfassung in den Medien ändert nichts daran, das dieser Pseudozusammenhang Besetzerbewegung, weder Anschrift noch Nr. hat und auch keine Mitgliederausweise verteilt. Mit der AKW oder Friedensbewegung läuft das ebenso. Der Aufkleber aufs Auto demonstriert die Zugehörigkeit, mehr aber auch nicht. Da sich die Beteiligten allenfalls zu gemeinsamen Aktionen zusammenfinden und danach wieder auseinanderlaufen, haben sie von der gemeinsamen Willensbekundung abgesehen, wenig gemeinsam.
Das diese Virtuellen Zusammenhänge doch zu was gut sind, zeigt sich dann, wenn es darum geht, die Leut auf die Gass zu bekommen. Dann können solche Bewegungen was bewirken und auch zeitweilig zu gemeinsamen Aktionen finden, bei denen sich die Einzelnen nicht kennen müssen. Virtuelle Gemeinschaften erzeugen auch Pseudorealitäten, ein Extremfall ist die Szene die aus der 80iger Bewegung entstanden ist und sich in dieser überzeichneten Form in Berlin in s 21ste Jahrhundert rübergerettet hat. Was sie verbindet ist die Interim, einige Webseiten in denen die Ideologischen Vorgaben und die Verhaltensregeln verkündet werden. Eine Pseudogemeinschaft ohne feste Adresse. Auch wenn es einige geben sollte, die im Impressum stehen oder auf den Mehringhof verweisen, das hat nichts zu bedeuten. Die Zugehörigen weisen sich nicht durch Mitgliederausweise aus, bestenfalls durch gemeinsame Zeichen, Kleidung, Sprachgebrauch beim Text oder verrottetes Outfit. Gemeinsam haben sie auch, sich an Insiderthemen abzuarbeiten, die außerhalb dieses Zusammenhangs oft nichtmal verstanden werden. Das lässt sich am Sexismusgeschrei oder am Bilderkampf gut beobachten. Die eigene Presse bleibt sauber und selbst in der TAZ führten Bilder die man heut an jeder Plakatwand nachgeschmissen bekommt zu wütenden Drohungen mit Abokündigungen.
War diese Szene mal mehr als ein virtueller Zusammenhang, weil es tatsächlich gemeinsame Aktionen gab, so hat sich das etwas verändert. Die Beteiligten wurden älter, die Demos kleiner oder verschwanden ganz und was verband den Steinewerfer von 81 nach 15 oder 20 Jahren mit den Pseudoautonomen Kindern? Die damals entstandenen Printmedien verschwanden mangels Nachfrage und damit der letzte Zusammenhang, bzw. sie wurden nicht mehr gelesen und die Exbeteiligten hörten auf sich mit diesen Insiderkram überhaupt zu befassen. Da konnten einige Übriggebliebene oder Newcomer in ihren Klopapier weiter ihr Geschrei gegen Sexismus und Patriarchat anstimmen, man hörte einfach weg. Heute im Internet, wo jede Seite groß aussieht, feiert dieser Irrsinn Wiederauferstehung. Das Medium macht es möglich, jeden Unsinn ohne den Aufwand der Printwelt zu veröffentlichen. Aber auch hier kann man weghören, zumal es in der Masse der Netzseiten untergeht. Um diese Seiten zu lesen, muß man vorher die Absicht haben um sie zu finden.
Nun könnt s wieder losgehen, man könnte sich wieder einer solchen Gemeinschaft zugehörig fühlen und dies im Forum (wenn vorhanden) zum Ausdruck bringen, sich von Leuten die man nie gesehen hat und auch nicht persönlich kennen will, vorschreiben lassen, was man zu denken hat, welche Zeitungen man lesen darf, das man Mensch statt man schreibt und sich keine sexistischen Bilder anschauen darf. Könnte, wenn man s mittlerweile nicht etwas besser wüßte. Die alten Fehler muß man nicht nochmal machen, einmal reicht. Man muß das alles nicht mehr so bierernst nehmen und sich sicher nichts von einer virtuellen Gemeinschaft vorschreiben lassen, deren Einzelproduzenten von Bleiwüsten auch nichts weiter vertreten als ihre Einzelmeinung oder ihre verdrehte Weltsicht.
In solchen Pseudowelten bilden sich auch Pseudoautoritäten, das können die Schreiber in entsprechenden Blättern sein, deren Unsinn als allgemeingültige Regel anerkannt wird, auch wenn sie oft nur mit zwei Buchstaben unterzeichnet haben und keine reale Macht haben, ihre Forderungen jemanden aufzuzwingen. Versucht wird es über interne Ausschlußdrohungen, ob man dann noch dazugehören darf. Gibt es aber nichts mehr, wo man dazugehören konnte, dann wird diese Drohung nur noch lachhaft. Auch nach dem Verschwinden eines solchen Zusammenhangs, leben die darin entstandenen Regeln und Zugehörigkeitszeichen oft als Dogmen weiter und werden von Neudazugekommenen unhinterfragt übernommen. Oft sogar als sinnlose "Tradition" weil der Hintergrund in dem sie möglicherweise mal einen Sinn hatten, längst nicht mehr besteht. Konkret lässt sich das etwa im Internet auf linken Seiten festmachen, wenn bei Demobildern immer noch verlangt wird, die Gesichter unkenntlich zu machen, selbst wenn es eine völlig harmlose Aktion war. Was zu Straßenschlachtzeiten mal Sinn machte bzw, auch in der Verfassungsschutzparanoia seinen Hintergrund hatte, hat sich hier zum unhinterfragten Dogma verselbstständigt.
Im Moment lässt sich das bei den Montagsdemos gut beobachten. In Frankfurt etwa sind es bisher zwar nicht viele, dafür ist alles vertreten was in der Restpolitscene Rang und Namen hat. Die Webseit der FAU ist erstmal nur eine Webseite, hier kannst die paar Leut live sehen. Für n Transpi reicht s immerhin. Auch die Seite eines Trotzkistenvereins mag noch so beeindruckend aussehen. Schau dir die paar Zeitungsverticker an. Das sieht schon um einiges ernüchternder aus. Gerade hier lässt dich gut der Unterschied zwischen Fiktion und Realität rausfinden.
Bei Graffiti lässt sich das ebenfalls gut festmachen auch wenn hier unterschieden werden muß. Nur weil viele das gleiche Hobby haben, müssen sie noch nichts miteinander zu tun haben. Im Bereich Politparole gab es nie einen Zusammenhang über die Dose. Den Zusammenhang bildete die politische Ausrichtung und was grade an Bewegungen akut war. Im Bereich Schablonengraffiti gab es nie einen Zusammenhang, die Beteiligten kannten sich nicht und wollten es auch nicht. Mehr als die gemeinsame Sprühtechnik verband sie nicht. Aktuell hat sich das mit der Berliner Street Art Aktion etwas geändert. Erst die Writer bildeten einen oft mehr als virtuellen Zusammenhang indem sie Kontakt aufnahmen, oft über weite Entfernung und so eine Insiderwelt bildeten. Trotzdem verbindet den Writer aus München mit seinen Berliner "Kollegen" oft nicht mehr als das Sprühen, nicht alle kann man kennen. Auch hier bilden sich Insiderregeln und Ingroupverhaltensweisen die außerhalb dieser Welt kaum verstanden werden. Muß man auch nicht so bierernst nehmen, es gibt auch hier niemand der die Einhaltung überwachen könnte.

5. saul - 2007-05-25 10:23:26
Mythos Antiimperialismus

Jahrelang wurde in den westlichen Metropolen durch Demos und Aktionen der Kampf des Vietcong unterstützt. Und heute? Heute ist Vietnam selbst eine imperialistische Macht. Haben wir das gewollt? Viele von uns engagierten sich gegen den Schah. Gut so. Jetzt haben die Iraner Chomeini. Haben wir das gewollt? Vollautonom Nr. 2 1980
.....wenn die Leute die sich immer auf das Konzept Stadtguerillia berufen, ihre eigenen Ahnherren mal etwas genauer unter die Lupe nehmen würden, würden sie auch mal feststellen, das es bestimmte gesellschaftliche Bedingungen (Vietnam, Ende der Studentenbewegung, Aufkommen der MLer ) waren die dem bewaffneten Kampf ihren Zusammenhang gaben. Nur Vietnam ist vorbei, im wahrsten Sinne des Wortes, es hat mit seinen "Sieg" viele enttäuscht, das einstmals revolutionäre Volk von Vietnam ist längst zum regionalen Imperialisten geworden. Die ML-Bewegung, in deren theoretischen Konzept auch die RAF stand ist längst den Bach runtergegangen. Begriffe wie "dem Volke dienen," "Avantgarde" und was dahintersteckt, gehören lange nicht mehr zu unserer Auseinandersetzung mit Gesellschaft. Und genau da muß die Kritik an der RAF ansetzen, sie ist seit Jahren nicht mehr in der Lage Prozeße und Auseinandersetzungen innerhalb der Linken wahrzunehmen und das ist nicht nur eine Frage der Kommunikation, sondern eines Politikverständnisses, das in der Linken längst keine Basis mehr hat. Vollautonom Nr. 5 1981
Immer Ärger mit der Menschheit.
Schaut man sich die Auseinandersetzungen im Netz an, besonders auf Indymedia, das ein Spiegelbild der Linken zu sein scheint, dann überlegt man grad, ob die Zeitmaschine eigentlich noch TÜV hat. Man fühlt sich in fernen Zeiten zurückversetzt und fragt sich wer die auf die Menschheit losgelassen hat. Meist entzünden sich diese Auseinandersetzungen an Israel/Palestina und da kommt ein Politikverständnis zum Vorschein, das offenbar alle Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre schadlos überstanden hat. Wo soll man anfangen? Mit Vietnam? Die meisten der heutigen Wiedergänger waren damals noch nicht auf der Welt, aber mit Vietnam und der Studentenbewegung entdeckte man die dritte Welt und kein Ort war weit genug um nicht Anlass für ne Demo oder ein Unterstützerkomitee zu werden. Immerhin bewegte sich da was und offenbar gab s sogar Erfolge, im Gegensatz zu den versteinerten Verhältnissen hier. Was gutgemeint anfing, wurde schnell zu einer Projektion der eigenen Machtlosigkeit auf Indochina, Zimbabwe, Angola oder was noch alles. Der Imperialismus ist böse, die kämpfenden Völker sind gut. Schon damals wurde über etliches hinweggesehen oder es wurde entschuldigt. Zur Grundausstattung des Antiimperialisten zählte, die Namenskürzel aller Befreiungsbewegungen auswendig herunterbeten zu können. Es reichte, die Bruderparteien zu kennen und ihnen Solidaritätsgrüße in der eigenen Presse zu widmen. Wie es da wirklich aussah, welchen kulturellen Hintergrund es gab, darüber wußte man wenig, war auch nicht so wichtig. Es zählte auf der richtigen Seite zu stehen und bei der Demo die richtigen Losungen auf dem Transpi zu tragen. Nicht das drüber zuwenig geschrieben wurde, fette Artikel und Bücher wurden verfasst, aber die Bleiwüsten blieben eben das was sie waren, Bleiwüsten.
Das Bild das man sich von der dritten Welt machte, war eher durch Wunschdenken bestimmt als durch eigene Erfahrung. Es kam also wie es kommen mußte, die lokalen Organisationen waren nicht geneigt, einmal an die Macht gekommen, linke Vorstellungen der (damals) langhaarigen Berufsdemonstranten zu erfüllen. Dabei gab s Verbindungen. Nicht wenige aus der dritten Welt hatten ja hier studiert, waren mit der Studentenbewegung in Kontakt gekommen. Wieder in der Heimat angekommen, sahen sie sich schnell mit anderen Problemen konfrontiert als der richtigen Linie der Metropolenlinken zu folgen. Andere wiederum, in Indochina etwa, betrachteten die Linke im Westen eher funktional und ließen sich z. B. in Kambodscha frisch an die Macht gekommen, weder von der Totalräumung der Hauptstadt noch beim Morden der eigenen Bevölkerung stören. Die Linke tat ihnen den Gefallen und störte nicht weiter, sie weigerte sich lange das überhaupt zu glauben.
Oder Die Iransolidarität, lange ein wichtiger Teil antiimperialistischer Solidarität. Im Studentenwohnheim gab s ne Menge Iraner und hier lernte man auch unterschiedliche Leute kennen und merkte, die kommen aus einer anderen Welt, auch wenn es sich nicht um Bauern aus n abgelegenen Dorf handelt. An einem Vorfall lässt sich das verdeutlichen. Einer hämmert an die Tür seiner Exfreundin weil er glaubt, da wär n Typ drin. Die denkt nicht dran aufzumachen und was macht der gute Mensch? Er versucht über ein Nebenzimmer durchs Fenster bei ihr einzusteigen und das im zehnten Stockwerk. Nicht ganz so trittfest gab s n Freiflug und mit einen weit hörbaren Aufklatscher endet diese Story. Tia, hier war das keine CISNU, keine FNL, MPLA oder FRAP, hier hattest es mit realen Menschen zu tun. Vietnam war der Kern der 68ziger Bewegung und aus dieser Zeit kommt die Ablehnung der USA. War früher die USA noch Vorbild, das Gegenstück zum versteinerten Adenauerdeutschland mit seinen Altnazis, so änderte sich das mit der Vietnambewegung. Auf einmal galten die Amis als Imperialisten und "Ami go home" wurd an die Wände gepinselt. Andererseits wurde voll die Kultur der Amis übernommen, sehr zum Mißfallen des ordentlichen Deutschlands. Negermusik hieß das und ein Schreiber machte draus einen Buchtitel, die Kinder von Marx und Coca Cola. Mit den ML Sekten wurde dieser Antiimperialismus als Ideologie institutionalisiert und auch das Verhältnis zu Israel änderte sich. Im 6 Tagekrieg stand die Linke auf Seiten Israels, heute schwer vorstellbar. Nach der Besetzung der Westbank und des Gazastreifens und dem Aufkommen der (zumindest propagandistisch linken) PLO wurde Israel zur imperialistischen Macht und zu einem Hassobjekt der Linken. Bestätigend wirkte auch, das Israel sich mit reaktionären Regimen zusammentat, halt die Theorie von den Tabustaaten die zusammenhalten müssen. Scheinbar konnte man sich keinen größeren Gegensatz als Israel und das rassistische Südafrika vorstellen, doch die Zusammenarbeit klappte bestens. Im Jom Kipurkrieg kam es in Frankfurt tatsächlich zu einer Demo gegen Israel, allerdings beteiligten sich keine 200 daran, der Presse war es nur eine kleine Meldung wert. Offenbar wollte der Durchschnittslinke doch nicht soweit gehen und für arabische Staaten zu demonstrieren, zumal Jordanien vor kurzem noch gut mit "seinen" palestinensischen "Gästen" aufgeräumt hatte. Daher der Name Schwarzer September. Jordanien wollte sich nicht wie Israel der unmenschlichen Vertreibung schuldig machen, sie drehten ihnen gleich den Hals um.
Antiimperialismus hieß für die Parteilinke auch sich nach wahlweise Moskau oder Peking zu verneigen und deren Staatspolitik zu vertreten. Im Falle Chinas bedeutete das, den Befreiungsbewegungen die Gefolgschaft zu kündigen, die von der KP Chinas grad fallengelassen wurden wegen zu großer Moskaunähe. Für die Maofans erledigte sich um 80 das Problem als sich die Sekten auflösten oder verschwanden. Die Moskaufans hielten s länger aus, erst 89 brach denen die Welt auseinander und die Mauerbrocken fielen ihnen auf den Kopp, gelegentlich fragte man sich was da so hohl geklungen hatte. Mit der AKW Bewegung und besonders 80 als die Autonomen auftauchten, gab s kurz Hoffnung. Es ging drum sich um seine eigene Welt zu kümmern und zu sehen, was man hier in Bewegung setzen kann. Keinen Bock mehr, sich als Teil eines weltweiten Kampfes zu sehen und sich für irgendwas einspannen zu lassen, wir sind hier und nicht irgendwo im Busch, haben uns grad mit den Bullen gefetzt, wieder ein Haus geräumt, einige Scheiben zu Bruch gegangen. Nichts ernsthaftes also, aber wir waren dran beteiligt, weil wir Bock drauf hatten und uns nicht hinter kämpfenden Völkern verstecken wollten. Auf das was irgendwo abgeht haben wir eh keinen Einfluß, zumal viele erstmal im Atlas nachsehen müßten wo das ist. Umso besser kennen wir uns in Frankfurt, Berlin und Freiburg aus und die Besetzungen hatten ja was damit zu tun, das wir in unseren Bereich was bewegen wollten statt wieder ne folgenlose Demo für eine Gegend zu machen, wo du nicht mal mit Interrail hinkommst. Klar geht in der Welt wieder einiges ab, aber wir sind in Deutschland, also was hat das mit uns zu tun? Zumal Antiimperialismus im Alltag nicht mehr ist, als die richtigen Flugis zu lesen, sich die entsprechenden Texte reinzupfeifen und auf die nächste Demo zu warten. Mehr kannst ja eh nicht machen und genau daraus entstand für einige Überempfindliche ein derartiger Leidensdruck, das sie dem mit Bombenbasteln abhelfen wollten. Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ihr demonstriert ja nur, ihr tut ja nichts? Nun einige haben was getan und dafür bezahlt. Zu Heilige sind sie nicht geworden, die Welt scheißt drauf. Besonders diejenigen, die nicht mal das gemacht haben. Die brav studiert und Karriere gemacht haben, von denen redet niemand, aber wir sollen uns für jeden Pforz rechtfertigen? Als vielen die stalinistische PKK schon sehr seltsam vorkam, hatten einige nix besseres zu tun als da mitzuspielen. Wie das endete ist bekannt. Interessiert heut keine Sau mehr.
In dieser Zeit, also um 80 gab s wieder mal n Hungerstreik der RAF und den zu unterstützen war ja ok. Nur deren Ideologie die uns einige im Doppelpack gleich mitlieferten war doch zuviel des Guten. Es kam zu heftigen Streit und in der Folge spaltete sich die Bewegung. Die Antiimps entstanden aus den Autonomen und in den folgenden Jahren bestimmte deren Bleiwüstenideologie die Autonomen die bald diesen Namen nicht mehr verdienten. So hieß es auf den autonomen Plenum gelegentlich, man fühlt sich in die ML Zeit zurückversetzt. Das Hassobjekt Amis jedenfalls überlebte alle Veränderungen und wurde zu einen Identität stiftenden übergreifenden Moment der zerfallenden Linken, bis heute. Das Ende des kalten Krieges änderte vieles, nur nicht das Weltbild vieler Linker, zumindest was ihre Sicht auf die dritte Welt betraf. Das da etliches an unsympathischen Zeug aufkam wurde ignoriert. Hatte schon 78 einige naive Zeitgenossen der volkstümliche Islam beeindruckt, bis es ein böses Erwachen gab, ließ man sich solange nicht vom aufkommenden Fundamentalismus stören, bis zur Nachrichtenzeit plötzlich der beste Äktschänfilm lief. Immer noch glaubten viele an die kämpfenden Völker wo längst die Kindersoldaten rekrutiert wurden oder an den gerechten Kampf des palestinensischen Volkes wo sich längst die Islamisten mit ihrer Mordkultur breitgemacht hatten.
War der Antiimperialismus all die Jahre hinweg auch eine Sache des schlechten Gewissens, soll heißen, wir hier im reichen Westen, so wurde dieses moralinsaure Druckmittel mit der aufkommenden Rassismusdebatte endgültig zur ungenießberen Gedankenvernichtung. Umgedrehter Rassismus als Form für seine Sünden zu büßen (so wie in den 70igern die Studenten für ihre bürgerliche Herkunft und dem Privileg zu studieren, in ML Sekten mit harter Arbeit und Fabrikarbeit zu büßen hatten ). Wir sind weiß, männlich (die Hälfte zumindest) und wohlhabend (verglichen mit den vielzitierten hungernden Negerkindern). Also haben wir dafür zu büßen und uns besonders um die Schwachen zu kümmern. Das die angeblich Schwachen ihre Kinder in den Tod schicken stört nicht weiter. Das die Afrikaner auch nur Autos und Rechner wollen, genausowenig und noch weniger das sie sich ihre Lebensvorstellungen nicht von Berliner Feministen vorschreiben lassen, schon gar nicht in Nairobi. Das Afrikaner genauso rassistisch sein können haben sie in Ruanda bewiesen, dafür gehört zur Ideologie des gestandenen Antimp, an den Mythos vom edlen Wilden zu glauben und sich zur Illustration das Che Plakat an die Wand zu pappen.
Aber es hat sich doch was bewegt. Schon als Parolen an der Wand zur Unterstützung der Maoisten in Peru auftauchten erzeugte das nur noch verächtliches Abwinken, über den Kampf der Palestinenser haben mittlerweile genug ihre letzten Illusionen verloren und das es in Afrika einer Buscharmee die Kindersoldaten zu Mördern ausbildet, um Befreiung geht, daran glauben nur noch unbelehrbare Spinner. Überlebt hat die bürokratische Form des Antiimperialismus im Internet, auf den Seiten der letzten übriggebliebenen Spinner deren Haarausfall offenbar ihrer Hirnverkalkung entspricht (keine Vorurteile gegen Halbglatzen). Da finden sich noch die Solidaritätsadressen an befreundete Organisationen oder eine Webseite gegen die imperialistischen Lügen über Mordkorea. Will gar nicht wissen welches kranke Hirn die verbrochen hat, es gibt Zeitgenossen, deren Bekanntschaft ich mir nicht antun muß.
Was fängst mit an? Es bleibt nur, sich die Welt anzuschauen wie sie ist, das heißt ja auch Weltanschauung bzw. Ideologie. Wer die Welt verändern will, oder wenigstens was im eigenen Umfeld, muß sich die Welt anschauen wie sie ist und nicht wie sie sein soll. Und bevor man etwas anfängt, erstmal überlegen wie groß die Aussicht auf Erfolg ist. Sonst ist der Frust so sicher wie das Amen in der Kirche. Und sich eben nicht für jeden Scheiß einspannen lassen und nicht jeder Propaganda glauben.
PS; Im Internet findet sich die Schwachsinnslosung, gegen Sexismus und Kopftuchverbot. Hier hat sich der Verstand endgültig verabschiedet. Konsequenterweise finden sich diese Sektierer bei arabischen Hassdemos ein um ihre "unverbrüchliche Solidarität" zu bekunden. Antiimperialismus live im Jahre 04.
Andere sind dagegen sogar lernfähig und ebenfalls auf Indymedia zeigt sich, das die Hamas es bei denen die ihren Verstand noch benutzen, endgültig verschissen hat. Eine Demokultur mit Geschlechtertrennung, Frauen mit Kopftuch, da sehen Linke die sich da verirrt haben schon durch ihr Äußeres wie Exoten aus und die können sich zurecht fragen, was sie hier eigentlich verloren haben.

4. saul - 2007-05-25 10:22:11
Dec.2002 In eigener Sache (Forumsbeitrag)
Immer wieder gibt es Zeiten in denen viele auf der Suche sind, sich für Politik interessieren und zunächst noch nicht wissen wohin. 73 war so eine Zeit und da hätte ich bei vielen Gruppen landen können, es war oft eine Frage des zufälligen Kontakts. Niemand findet ein Flugblatt und rennt zur Parteizentrale um noch am gleichen Tag einzutreten, heut ebensowenig zumal es kaum Parteizentralen solcher Sekten mehr gibt. War also Zufall das ich bei der KPD (Semmler/ Horlemann) reingeriet. Freilich nicht in die Partei, da kam nicht jeder rein, für Schüler gab s die Liga gegen den Imperialismus, sozusagen ein Unterverein fürs Fußvolk. Ehe man sich s versieht ist man dabei und dazu gehört natürlich auch das Zeitungsverkaufen auf der Gass. Da merkt man das irgendwas nicht klappt, keiner will die Zeitung , man wird entweder nicht beachtet oder wenn dann stößt man allenfalls auf Ablehnung. Aber noch kann man den Frust wegstecken und das ist auch der Sinn der Sache. Noch gab es Aktionen, oder Veranstaltungen bei denen man sah, das man nicht völlig allein ist. Sobald dies vorbei ist, steht man freilich wieder als einziger in einer Umwelt die mit der linken Ideologie nichts zu tun hat. Die Demos und Veranstaltungen schaffen eine eigene Realität die einen vergessen lässt, das man nicht nur draußen recht allein dasteht sondern sogar innerhalb der Linken nur eine kleine Minderheit darstellt. Man liest also die Parteipresse und versucht halbwegs damit klarzukommen. Wenn nur die Realität da draußen nicht dauernd stören würde. Dafür darf man sich einer Sache zugehörig fühlen, selbst wenn man da wenig zu melden hat und die meisten davon gar nicht kennt. Da entwickelt man eine Art Lagerdenken, das nützt nur dem Gegner, man will ja nicht der eigenen Sache schaden. Also verdrängt man offensichtliche Widersprüche. Ob es unsere Zielgruppe, das revolutionäre Subjekt ist die nichts damit zu tun haben will oder das man gegen Verbote kämpft und Meinungsfreiheit einfordert, dagegen eine Gesellschaft zu Ziel hat in der das eh nicht vorgesehen ist. Und man entwickelt sowas wie einen Missionierungswahn, soll heißen man wird persönlich unausstehlich wenn s drum geht, für den eigenen Verein zu werben. Davon merkte ich nichts, nicht solang ich dabei war. Das merkt man erst wenn man draußen ist und es mit Leuten zu tun bekommt die noch drin sind und sich fragt, warst du auch mal so gewesen? Dann wunder ich mich nicht mehr, das ich so wenig erreicht hab. Ist es auch frustrierend festzustellen, das man niemand erreicht wenn man am agitieren ist, hinterher war ich sogar froh drüber niemand reingezogen zu haben. Wie kommt man da raus? In meinen Fall war das die neue Parteipolitik die sich an der VR China ausrichtete und plötzlich verlangte Sachen zu vertreten, von denen man selbst nicht überzeugt war. Oder Berichte aus Albanien, da hatten unsere Vertreter nicht nur nette Bilder der Denkmäler und heroisierenden Gemälde mitgebracht. Sie erzählten auch Geschichten von Jugendlichen die bei 40 Grad Straßen bauen. Na fein, da kommt die Jugend nicht auf dumme Gedanken, ich dagegen schon denn das kam mir vertraut vor. Woher kannte ich das? Klar doch, geht erstmal arbeiten, hast du schon mal gearbeitet? Na es blieb beim Denken, noch hielt ich die Klappe. Zudem stellte ich 75 fest, das nicht nur die Zeit der Aktionen auf der Straße vorbei war, auch das sich innerhalb des Vereins nichts mehr veränderte. Was wird dann aus der Revolution? Meine Lehre in der Zeit zeigte mir, wie die Arbeitswelt wirklich ist und die hatte wenig mit den Parteivorstellungen zu tun. Ohne offen auszutreten stellte ich einfach meine Beteiligung an der Sache ein, gut einige kannte ich und völlig riss der Draht nicht ab. Zum Schluß konnte ich doch noch mal einsteigen, freilich nicht um die übliche Parteiarbeit zu machen. An der hätte ich mich ohnehin nicht mehr beteiligt da ich längst keinen Sinn mehr in dieser Art von Politik sah. Denn nun fanden Diskussionen statt, die diesen Namen verdienten. Mittlerweile war einiges passiert, etwa der Krieg Vietnam Kambodscha China, das ließ sich nicht mehr in die Ideologie pressen und viele waren nicht mehr bereit Sachen zu rechtfertigen die nicht zu rechtfertigen sind. Die Entwicklungen in der 3.Welt brachten uns zur Überlegung, das wir früher die Sachen etwas falsch verstanden hatten, oder so verstanden wie wir sie haben wollten. Die Parteipresse um 79 sah dann auch aus wie 10 Jahre später die Zeitungen der DDR, nun wurde offen über Dinge geredet, die früher zum Parteiausschluß geführt hätten. Anfang 80 wurde der Verein aufgelöst, das war nur der Abschluß. Da ich mich schon vorher nach weiteren Sachen umgesehen hatte und auch einiges am laufen war, brach damit für mich keine Welt zusammen und die Wanderbewegung zu den Grünen überließ ich anderen. Geblieben ist aus der Zeit das Wissen, was Sektierertum ist und was es anrichtet und das ich schnell sehe, wenn ich es heute mit vergleichbaren zu tun bekomme, so etwa auf Indymedia.

3. saul - 2007-05-25 10:17:59
Forumsbeitrag
Im www kann man gut auf Zeitreise gehen und man bekommt was geboten. Da tauchen auf einmal die längst vergessenen Splittergruppen und Parteisekten aus der Versenkung auf. Namenskürzel die niemand mehr kennt und keinen mehr was bedeuten und die selbst die Beteiligten fast vergessen haben. Wer steckt dahinter? Wer produziert Webseiten, denen man zwar nicht ansieht ob eine große Organisation oder nur ne handvoll Spinner dahintersteckt, aber auf denen die Zeit stehengeblieben scheint? Parteisekten wie KPD/ML oder MLPD die aus der realen Welt längst verschwunden sind, aber im Web quicklebendig erscheinen. Geht man auf diese Seiten, da ist echt die Zeit stehengeblieben und man meint, wir schreiben immer noch 75 oder 85. Unbeeindruckt von jeder realen Entwicklung in der Welt oder in den Köpfen der ehemals Beteiligten, hämmern sie ihre museal gewordenen Parolen in die Welt und man ist versucht aus dem Fenster zu schauen, ob da nicht grad eine Demo mit roten Fahnen und gereckten Fäusten vorbeizieht. Nein, es ist nur die Müllabfuhr. Man kann Witze drüber machen oder Cartoons zeichnen. Etwa über den letzten Aufrechten, der in seiner Dachkammer hockt und den Ausgang aus der Parteiwelt nicht mehr gefunden hat. Dafür studiert er immer noch seine heiligen Schriften und verkündet die der Netzwelt. Wer dabei war, konnte schon ende der 70iger erleben, wie diese Sekten immer unsichtbarer wurden und es Anfangs der 80iger nicht mal schafften ihre Zeitung zu verbreiten. Da gibt s doch ein freudiges Wiedersehen im Netz. Solche Seiten darf man als ernstgemeinte Politsatire betrachten und zur persönlichen Erheiterung besuchen.
Man kann auch Spitzwegs Bücherwurm nehmen. Ein großer Teil linker Politik basierte auf Buchstabengläubigkeit. Man glaubte, wenn man nur die richtigen Werke gelesen hat, weiß man bescheid wie die Revo läuft. Diejenigen, die sich der augenschädigenden Arbeit unterzogen, nannte jemand mal treffend, linke Bibelforscher. Die blauen Bände wurden wie die Bibel gehandelt und wer daraus zitieren konnte hatte recht. Die Uniherkunft machte sich bemerkbar, mit Fußnote und was dazu gehört. Mit der Zeit lernte man seinen eigenen Verstand zu benutzen, ebenso die eigene Erfahrung auch wenn sie dem Bücherwissen widersprach. Die Ersatzreligion Kommunismus erhob die Texte von Marx über Lenin bis Mao, zu Dogmen und ewigen Wahrheiten. Was man dagegen in der Welt draußen lernte (nicht in dunklen ungelüfteten Kammern), "die" Wahrheit gibt es nicht und ewige Wahrheiten schon gar nicht. Es gibt nur Wahrheiten und jeder muß seine eigene herausfinden. Heilige Schriften werden oft dazu benutzt, das Denken überhaupt abzuschaffen. Was willst du denn? Da steht doch schon alles drin, jede Frage ist beantwortet. Hier steht s wie man eine Partei aufbaut. Kein Erfolg? Dann machen wir was falsch. Nach 5 Jahren immer noch ne kleine Sekte? Wir müssen unsere Linie überarbeiten und einige Abweichler rauswerfen. 10 Jahre, nur noch der harte Kern dabei? Es ist eben ein langfristiges Projekt und wer nicht durchhält und zweifelt, den brauchen wir nicht. 20 Jahre, wir haben zwar keine Zeitung mehr dafür ne HP. Entscheidend ist das wir recht haben und die Geschichte wird uns recht geben. 30 Jahre? Die Wohnung wird aufgelöst, der gesammelte Papierberg landet im Müll.
In eigener Sache;
Persönlich betrachtet ist die ML Zeit der 70iger Teil meiner eigenen Geschichte, war auch mal dabei. Nicht ungewöhnlich als politisch interessierter aber unerfahrener Schüler in sowas reinzugeraten. Es war in der Zeit eh Zufall wo man landete, ja nachdem, wen man grad traf. 73 war so eine Zeit, in der viele was tun wollten aber noch nicht wissen wohin und da hätte ich bei vielen Gruppen landen können. Niemand findet ein Flugblatt und rennt zur Parteizentrale um noch am gleichen Tag einzutreten. Als linker Schüler stand man eh recht allein in einer Umwelt, die desinteressiert oder meist ablehnend war und da traf man erstmal Leute die scheinbar dasselbe wollten. Also landete ich bei der KPD, na nicht ganz, das war ein elitärer Verein der nicht jeden nahm. Dafür hatten sie ihre Untervereine wie etwa Liga gegen den Imperialismus und was tun mit Schülern? Na da sind sie erstmal gut aufgehoben. In so nen Verein gab s Aktionen, Demos und man kam in andere Orte. Was hinzukam, zu der Zeit versuchte die Partei mit Aktionismus Politik zu machen und etlichen Aktionen war noch die Erfahrung aus der Studentenbewegung anzusehen, wo die Beteiligten ja herkamen. Das war zunächst mal für jüngere durchaus attraktiv. Das änderte sich später, als sich Aktionen auf die traditionellen Termine wie 1. Mai beschränkten und nur noch über Supermächte geschwätzt wurde. Ehe man sich s versieht gewöhnt man sich die Denkweise der Parteipresse an und das heißt, sich von der Außenwelt abschotten. Zum Job in solchen Vereinen gehört natürlich auch, die Parteipresse unters Volk zu bringen und das ist der Punkt, wo man mit der Außenwelt konfrontiert wird. Keiner will das Zeug haben, man stößt auf Desinteresse oder offene Ablehnung. Was tun damit? Weitermachen mit der Disziplin und Verdrängung die man bereits in der Gesellschaft eingetrichtert bekam. Man macht weiter weil man weiß, den anderen geht s genauso und die willst ja nicht allein stehen lassen. So konnten diese Vereine von einer Einstellung leben mit der man hier für die Arbeitswelt abgerichtet wird.
Arbeit ist mühsam, macht keinen Spaß und ist unergiebig, Politik genauso. Also denk nicht drüber nach. Was Schüler und Studenten betraf, konnte die Partei (die selbst aus Studenten bestand) eine weitere Form der Abwertung ausnutzen. Das schlechte Gewissen das dir eingeredet wurde, geh erstmal arbeiten, du hast doch noch garnix zu sagen und lebst selbst auf Kosten der Arbeiter. In so nen Verein ließ sich das gut verdrängen. Aber sobald man die Parteiwelt verlassen hat, steht man wieder allein da, nicht nur in der Gesellschaft, sogar innerhalb der Linken ist man nur eine Minderheit. Noch kann man den Frust wegstecken und das ist auch der Sinn der Sache. Die Demos und Veranstaltungen schaffen eine eigene Realität die einen vergessen lässt, wie isoliert man dasteht, man liest die Parteipresse, versucht damit klarzukommen, wenn nur die Realität da draußen nicht dauernd stören würde. Dafür darf man sich einer Sache zugehörig fühlen, selbst wenn man nix zu melden hat und die meisten der Beteiligten gar nicht kennt. Man entwickelt eine Form von Lagerdenken, das nützt nur dem Gegner, also hält man die Klappe und verdrängt offensichtliche Widersprüche. Etwa das unsere Zielgruppe, die Arbeiter nix mit zu tun haben wollen, oder das wir gegen Verbote und für Meinungsfreiheit (der Parteipresse) kämpfen, aber eine Gesellschaft wollen, die keine Meinungsfreiheit vorsieht. Es gab Knackpunkte die einen schon auffielen, man konnte ja nicht den Verstand abschalten. Jedenfalls weiß ich aus dieser Zeit, was Sektierertum im Denken anrichtet.
Andererseits tat sich noch mehr in Frankfurt und wenn es um Hausbesetzung oder Fahrpreiserhöhung ging, verlor der Verein zeitweilig die Kontrolle. Statt uns im Treff die neusten Parteitexte reinzupfeifen waren wir auf der Gass wo es nach Tränengas roch. Widersprüche gab s genug, oft genug sah man das die Parteiideologie wenig mit der realen Welt zu tun hatte, aber statt drüber zu reden, hielt man die Klappe. Dann folgte ne Lehre im Betrieb und diese Realität hatte wenig mit der Parteipresse und dem Proletenkult zu tun. In der Folge stellte ich meine Mitarbeit langsam ein, andere traten mit einer langen Bleiwüste aus die sie oft bei Konkurrenzvereinen veröffentlichten, die aber wenig über die tatsächlichen Gründe aussagten. Wie kommt man da wieder raus? 75 gefiel mir der Verein nicht mehr, die aktionistische Politik der KPD wurde beendet und mit der Kopie der Supermächtetheorie der VR China wurde die Parteipolitik ungenießbar. Nun wurd von uns verlangt, Sachen zu vertreten, an die wir selbst nicht mehr glaubten. War ich bereits im Betrieb in ner anderen Welt, so wurd s Zeit sich auch in der Politlandschaft nach anderen Welten umzusehen, etwa AKW Demos und nach Brockdorf mitzufahren. Der nächste Schritt war die vorurteilslose Beschäftigung mit den eigenen Parolen und da stellst fest, das du an dieses Zeug geglaubt hast wie der Christ an die heilige Schrift. Tatsächlich fällt s auf, schon der Sprachgebrauch, wo es von Renegaten, Abweichlern, Ketzern und Sektierern wimmelt, stammt original aus der Theologie. 77 im Zusammenhang mit der Schleyerentführung erlebte ich live, was die Arbeiter dachten, spätestens da war der Proletenkult für mich erledigt. Es wurde Zeit, das woran man geglaubt hatte, weil man s glauben wollte, ohne Rücksicht zu hinterfragen. Schau dir die Welt an wie sie ist und hör auf in unlesbaren Bleiwüsten nach der Wahrheit und Patentlösung für alle Probleme zu suchen. Trotzdem war der Draht nicht ganz abgerissen, man kannte sich ja noch. Der einzige Grund nochmal mitzumachen, Ende der 70iger fanden tatsächlich Diskussionen statt, die diesen Namen verdienten. Wär s drum gegangen, die übliche Parteiarbeit weiterzumachen, mit mir sicher nicht mehr. Dafür war s auf einmal möglich Sachen auszusprechen, für die man früher achtkantig rausgeflogen wär. Es war auch die Zeit, in der "Naturgesetze" gebrochen wurden. Soll heißen, der Krieg zwischen Vietnam, Kambodscha und China, sozialistische Staaten prügeln sich doch nicht. Wir hatten genug davon uns das Hirn zu verbiegen und Sachen gegen unsere Überzeugung zu rechtfertigen. Es ließ sich nicht mehr in die Ideologie pressen und wir hatten kein Interesse mehr, etwas zu rechtfertigen was nicht zu rechtfertigen ist.
Die Entwicklungen in der 3. Welt zeigten eh, das wir früher einiges in den falschen Hals bekommen hatten. Es war der Bruch mit einer sektiererischen und dogmatischen Denkweise, die das Denken selbst zur Karikatur macht. Die Auflösung der Partei war für mich nur ein Abschluß, kein Zusammenbruch einer Welt, ebensowenig zog s mich zu den Grünen wo sich etliche rüberretteten. Dafür gab s noch andere Parteisekten und in der Konfrontation mit denen, deren Welt noch intakt war, stellte ich Bemerkenswertes fest. Andere mit Worten erschlagen, vollquatschen, nicht zuhören können und unaustehlich wirken. War ich auch mal so drauf gewesen? Dann ist s kein Wunder wenn wir nichts erreicht haben, aber das merkt man erst wenn man draußen ist. Ist es damit vorbei? Leider nicht, denn da die gesellschaftlichen Bedingungen weiterbestehen, die das Entstehen von hierarchischen und sektiererischen Gruppen fördern, erlebt man das sich neue bilden und traurigerweise sogar Deppen finden, die nichts von der alten Geschichte wissen und nicht merken, das sie eine Politikform nachäffen, die schon vor 20 Jahren gescheitert ist.
Ob Linksruck oder Trotzkistensekte, es gibt sie noch, die altgedienten Parteiführer. Immer auf der Suche nach jungen Deppen die sie für ihre Schrottpolitik verheizen können und im Uniumfeld scheint s zu klappen. Aber nur solang bis sie gefrustet abhauen. Hier wiederholt sich die Geschichtsblindheit die es schon in den 70igern gab, als man die Geschichte der Arbeiterbewegung wiederentdeckte, diese aber von Mythen zugestellt wurde. Denn das hieß auch Verdrängung des Stalinismus und Verschweigen des Versagens der KPD von 33. Ohne eine KP könne es keine Revolution geben, dies wurde regelrecht gepredigt. Tatsächlich erwiesen sich Kommunistische Parteien meist als Revolutionsverhinderer und nach 33 sagten deren Mitglieder selbst, die Partei hat sie verraten und den Nazis ausgeliefert. Die Kopie dieser stalinistischen Partei mit allem was dazugehört, den Fahnen, Symbolen, Zeitungstitel plus Sprachgebrauch, mußte jeden Arbeiter der diese Zeit noch kannte, wie Hohn erscheinen, oder wie ein schlechter Witz. Und wie ein schlechter Witz kommen mir heute die jungen Träger der Linksruckplakate vor, nur was soll man denen sagen? Erst wenn sie selbst zu zweifeln anfangen kannst mit denen reden, vorher ist das sinnlos. Kann ich beurteilen. Online versuchen kann man s ja und das hab ich auf Indymedia getan. Es muß möglich sein, zu sagen wie es nicht geht ohne eine Patentlösung anbieten zu können, denn die hat niemand.
Beitrag bearbeitet am 20.05.2003 Forumsbeitrag im mittlerweile geschlossenen taz/ruhr Forum

PS: Klickt man sich heute so durch die Parteiseiten, eines fällt auf. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Ihre Linklisten sind die Empfehlungen zu den "Bruderparteien", denen die schon seinerzeit ausschließlich wert waren überhaupt beachtet zu werden. Alles andere war unter ihren Niveau. Lohnt nicht mit dem Rest der Gruppen überhaupt zu reden. Wir reden nur mit denen die auf der richtigen Linie liegen oder wenigstens das Kopfbanner im Zeitungstitel tragen. Das scheint heute sowas von absurd, nur scheinen die übriggebliebenen Beteiligten das nicht mal zu merken. Trotzdem darf man sich über diese Seiten freuen, man will ja beim surfen auch mal was zur Erheiterung sehen. Es fallen einen schon erstaunliche Parallelen auf. So wie um die Jahrhundertwende bis 1914 in einer modernisierten Welt die Traditionen des letzten Jahrhunderts mit Säbel und Pickelhaube fortgeführt wurden, führen diese Parteisekten Traditionen aus den 20iger Jahren fort. Zumindest versuchen sie es, so anachronistisch sehen teils ihre Seiten im Internet aus. Online Parteiblatt dessen gedruckte Form nur noch in Spezialarchiven auffindbar ist. Mal findet sich auf so einer Seite ein interner Bereich, nur für Mitglieder. Was es da wohl für Geheimnisse gibt? Keine Panik, da verpasst man nichts. Der ehemals Beteiligte weiß es noch. Das entspricht den früheren Papierzirkulaten die nur für den internen Gebrauch bestimmt waren, in deren ellenlangen Bleiwüsten auch mal abweichend gedacht werden durfte. Nur wollte man damit nicht die einfachen Mitglieder beunruhigen. Die sollten nur lesen, was schon als offizielle Parteilinie galt. Die Insider dagegen durften sich als privilegiert fühlen diese Insiderschriften überhaupt in die Finger zu bekommen. Was soll man von einer hierachischen Struktur halten die nicht mal den eigenen Leuten vertraut? Diese Rangordnung war in den 70igern Kennzeichen dieser Sekten, heut ist es nur noch absurdes Theater.
PS 2: Echo aus der Mülltonne. Die Art wie ich meine Geschichte der ML Zeit aufarbeite, nützt weder mir noch den heutigen Linken was. Was sie mir nützt? Steht nicht zur Debatte, ich hab die Sache abgehandelt und Konsequenzen gezogen, dafür brauchte ich kein Internet. Den altgedienten Sektierern die immer noch nicht den Ausgang gefunden haben, denen hab ich nichts zu sagen. Wozu auch? Zeitverschwendung. Die werden sich von mir kaum ihre kleine Scheinwelt in die sie sich verkrochen haben, wegnehmen lassen. Dafür können sie immer noch unerfahrene Jugendliche reinziehen, ihnen etliche Jahre versauen und sie am Ende zu vorzeitigen Zynikern machen die auf Jahre genug von jeder Politik haben. Wenn überhaupt, dann kann es nur drum gehen, diese vor Irrwegen zu warnen. Genau auf Jugendliche, die erste Gehversuche auf Demos machen warten sie. Da versuchen sie zu agitieren, sie wissen genau, das sie bei den Altgedienten nur noch Hohngelächter ernten, wenn die überhaupt noch reagieren.

2. saul - 2007-05-25 10:16:45
Kleine Satire
Im Internet gibt es ein erfreutes Wiedersehen, da finden sich die Seiten längstvergessener Politsekten aus den 70igern wieder und quicklebendig sehen sie aus. Fast könnt man vergessen, das die Beteiligten mittlerweile an die 30 Jahre älter geworden sind (wenn auch nicht unbedingt klüger) und Mauerfall, Denkmalsturz, Ende des Warschauer Pakts (der Warschauer packt) bis Albanien, es scheint spurlos an ihnen vorübergegangen zu sein. Für einen der mal mitgemacht hat, erscheinen diese Seiten wie beste Satire. Seltsamerweise sind sie bierernst gemeint.
Einer Webseite sieht man nicht an, wer oder was dahinter steckt, eine große Organisation oder nur eine handvoll Spinner. Und hier finden sich die vergessenen Parteikürzel von KPD bis KPD/ML wieder und auch deren Zeitungen, die man gedruckt schon lange nicht mehr gesehen hat. Man kann sie zur persönlichen Erheiterung besuchen und sich über ein Wiedersehen mit der Agitationsgraphik freuen, etwa jenen echten Signum der tendenziellen Progression des Haarausfalls - dem Köpfebanner von Marx bis Mao. Wer hätte das vor 10 Jahren für möglich gehalten? Aus der realen Welt waren sie längst verschwunden, wenn es überhaupt noch zu einer Zeitung reichte, man mußt sie schon lange suchen. Zwar tauchten im Uniumfeld wieder neue Sekten auf, irgendwann verschwanden sie wieder nachdem die anfangs Naiven merkten, das sie hier auf dem Holzweg sind. So etwa Linksruck, nur davon sieht man auf deren professionell aussehenden Seite nichts. Klar, auf diesen Seiten sieht man nicht wie es innen aussieht. Da muß man sich schon woanders hinbegeben. Auf einer Studentendemo etwa um die paar vereinzelten Zeitungsverticker bei ihren verzweifelten Bemühen zu bewundern, ihr Käsblatt unters Volk zu bringen. Wer das gesehen hat, hat genug gesehen und kann solche Seiten besser beurteilen, auch wenn man selbst das Glück hatte nicht in sowas reinzugeraten. Nun darf man seinen Spaß haben, besuch die letzten Stalinfans, oder die letzten Maoisten. Willkommen im Sektenzoo; diesem Museum der 70iger Jahre. Besuch die letzten Freunde Mord... ähm Nordkoreas und lasse mit ihnen gemeinsam den großen Kim hochleben. Bestaune die Wandlung des Kopfbanners, nun ist auch Enver Hoxha in den Parteihimmel angekommen. Feiere mit der MLPD das Lebenswerk Willi Dickhuts. Noch nie gehört den Namen? Mach dir nix draus. Genieße online die Revolutionsgraphik und die Schlachtengemälde im sozialistischen Realismusstyl. Vergiss die DKP nicht, ja sowas gibt s immer noch. Wunder dich nicht über den Mangel an offenen Seiten, unzensierte Zeilen mochten sie noch nie. Für Interessenten der Zeitgeschichte eine Fundgrube. Wer altersmäßig die 70iger nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, hier findet man live und in Farbe die Denkweise der damaligen linken Politlandschaft als hätte man eine Dreißigjahre alte Konservendose geöffnet. Keine Satire ist so hart wie das Leben.
Nachtrag; Online gibt es noch ein anderes Wiedersehen und nicht immer macht Wiedersehen Freude. Die linke Printwelt ist mir aus meiner Arbeit vom ID noch gut vertraut, das ist aber schon länger her. Irgendwann hörte ich auf diese Kleinblätter zu lesen bzw. ließ Flugis buchstäblich links liegen. Damit befand ich mich in bester Gesellschaft. Viele mal dran Beteiligte hörten auf dieses Graupapier zu lesen. Immer die gleichen Themen und immer noch die mieße Typographie und Gestaltung, von den lausigen Bildern nicht erst zu reden. Das sich auch mit Kopierer und Stift einiges machen lässt, scheint bei den Produzenten dieser Kleinpresse nicht angekommen zu sein, aber warum soll das mein Problem sein? Ich reagierte so wie der Rest, mit Überdruß. Man konnt das Zeug irgendwann nicht mehr sehen und wollt irgendwann das ewige Gejammer nicht mehr lesen, ebenso wenig die Kleinkriege die außerhalb dieses Mikrokosmos niemand auch nur zur Kenntnis nimmt. Genauso wenig wie die Sprachreglungen, das BinnenI und das nichtendende Sexismusgeschrei.
Was zuviel wird, wird zuviel und erzeugt Abwehrreaktionen. Oder man fing an drüber Witze zu machen und die eigenen Parolen zu parodieren. Sieg im Vollrausch. Hoch die Internationale Kinderschokolade, das sind schon alte Klassiker, genauso wie Ute statt Plastik oder Kein Blut im Öl. Jedenfalls verschwand diese Welt langsam aus dem persönlichen Umfeld, was spricht gegen FAZ? Hast auch was zu lesen. Sie verschwand auch draußen, Demos wurden selten oder man nahm sie nicht mehr wahr und auch die Beteiligten wurden unkenntlich. Sie trugen kein Pallituch mehr und liefen auch nicht mehr rum wie nach zwei Wochen Zugfahrt quer durch Europa mit Interrail. Solche Gespenster mußt man irgendwann in Kreuzberg suchen. Manche Probleme erledigen sich irgendwann von selbst und wenn Zeichen nicht mehr zur Provo oder Abgrenzung taugen, dann lässt man s irgendwann. Ebenso wenig wenn sie kein Zeichen von Zugehörigkeit mehr sind, weil es nichts mehr gibt dem man sich zugehörig fühlen könnte, weil dieser Zusammenhang längst auseinandergebrochen ist. Dafür findet man heut umso mehr im Internet, was in der Welt draußen längst Museumsreif ist. Da führen sie immer noch Sprachkriege und kloppen sich um Themen über die nicht mal die reden wollen, die das vor 20 Jahren mal geschrieben haben. Sektierertum wie es leibt und lebt. Erbittert verteidigen sie die letzten Positionen die ohnehin niemand mehr ernst nimmt. Man muß hier unterscheiden, in der Welt draußen sind sie längst bedeutungslos geworden, schon weil die "eigenen" Leute irgendwann nicht mehr zuhören wollten und den letzten Gespenstern die Gefolgschaft aufkündigten. Im Internet dagegen erscheinen sie größer als sie sind. Auf Indymedia bekommt man diesen Irrsinn noch live geboten und kann sich verhasst machen wenn man drauf antwortet. Es ist das Gemisch aus Veteranen, die den Ausgang aus der selbstgeschaffenen Propaganda nicht finden und neu Dazugekommenen, die aus Schiß nicht dazugehören zu dürfen, sich anpassen und ohne nachzudenken die alten Irrtümer nachäffen. Viele haben sich still und leise verabschiedet und haben dazu nichts mehr zu sagen, wer es trotzdem macht, wird da schnell zur Zielscheibe. Nichts mögen sie weniger als Menschen die ihren Kopf befreit haben und über deren Denken sie keine Macht mehr haben.
Saul 04

1. saul - 2006-11-17 08:05:55
Wozu dieses Guestbook?
Gästebücher sind eigentlich dafür gedacht, sich hier einzutragen, das man die besuchte Seite so toll fand, natürlich wiederkommen will und sich kaum einzukriegen vor Lob.
Da User kreativ die Werkzeuge im Netz zu nutzen wissen, lassen sich einige auch was einfallen. So ein GB kann man als Schmierzettel nutzen, oder auch als Sicherheitskopie für Texte und vor allem, man kann ohne Html Seiten zu bauen schnell mal von jeden Rechner was reintippen. Gästebuch als Blog, noch bevor der Bloghype sich im Netz breitmachte. Zwar hab ich schon ein GB, aber hier hast mehr Möglichkeiten und die Einträge bleiben länger erhalten.
PS: Warum gerade hier? Nun einmal kost es ja nix und hier fand auch das Gästebuch von Erwin Scholz eine neue Heimat, nachdem die große Partei die anderen Gästebücher in denen unerwünschte Diskussionen stattfanden, sperren ließ. Das Gästebuch von Erwin Scholz (auch wenn der Name natürlich nur fiktiv ist) gibt es immer noch. Hier is es.
www.a-free-guestbook.com/guestbook.php?username=erwinscholz
Einen Vorteil hat diese Seite, hier lassen sich nicht nur Links setzen, man kann auch die Texte nach Html formatieren. Halt mit einfachen Html Befehlen und ein paar davon kann sich ja jeder merken. Zudem gibt es hier eine Hilfsseite für hier zur Auswahl stehende Html Befehle.

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